Landessportbund NRW bezieht Stellung: eSport ist kein Sport

eSport ist ein globaler Trend, der Massen begeistert und Stadien füllt. Pro-Gamer trainieren bis zu 16 Stunden täglich und können in der Spitze mehrere Millionen Euro jährlich verdienen. In Deutschland prognostizieren Experten der Branche einen stetigen Umsatzanstieg von 20 Million Euro pro Jahr.  Kein Wunder, dass mittlerweile große Unternehmen wie Mercedes Benz und Wüstenrot Interesse am eSports zeigen und als Sponsoren einsteigen.

Deutlich verhaltener agierten bisher die Deutschen Sportverbände und -vereine.  Das liegt an der Grundsatzfrage, ob eSports als Sport anzuerkennen ist und somit unter die Zuständigkeit der Sportdachverbände fällt. Wäre das der Fall, könnte eSports sogar olympisch werden. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat aus diesem Grund eine eigene Arbeitsgruppe eSport ins Leben gerufen, die bis Herbst 2018 Handlungsempfehlungen erarbeiten soll.

Dieser Arbeitsgruppe gehört auch der Landessportbund (LSB) NRW an, der sich nun überraschend deutlich gegen eine Anerkennung des eSports als Sport ausgesprochen hat. Das Positionspapier besteht aus vier Kernaussagen:

  1. eSport ist kein Sport
  2. eSport ist Teil einer modernen Jugendkultur
  3. First-Person-Shooter sind mit den Werten des Sports unvereinbar
  4. eSport ist überwiegend kommerziell ausgerichtet

Dabei attestiert der LSB dem eSport ähnliche Bewegungsabläufe sowie Belastungsprofile wie anerkannten Sportarten wie Darts, Bogenschießen oder Billard. Prof. Dr. Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln bestätigt: Physiologisch betrachtet  steht der eSports mit 200-300 Bewegungen pro Minute, erhöhten Cortisolwerten und einer erhöhten Herzfrequenz manch anerkannten Sportarten in nichts nach. Pro-Gamer kommen z. B. auf eine Herzfrequenz von 180, Formel 1-Fahrer auf 190 und Bogenschützen lediglich auf 150 pro Minute. Zudem trainieren Pro-Gamer an ihrer Fitness, um in Wettkämpfen belastbarer zu sein. Der entscheidende Unterschied ist laut LSB die simulierte Ebene des Wettstreits, auf der eSport stattfindet. Während bei klassischen Sportarten die Sportlerinnen und Sportler im Mittelpunkt des Handelns stehen und mit den direkten Konsequenzen konfrontiert werden, nehmen eSportler nur eine steuernde, also passive Rolle ein.

Trotz der klaren Abgrenzung zum Sport empfindet der LSB eSport als eine zukunftsträchtige Jugendkultur mit Verknüpfungspunkten zum organisierten Sport, deren Einzug in Sportvereine und -verbände zu klären sei.

First-Person-Shooter wie Counter Strike sind in der eSport-Szene sehr populär, werden vom LSB dagegen entschieden abgelehnt  Auch der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Thomas Bach, der dem eSport grundsätzlich offen gegenüber steht, hatte sich im April kritisch gegenüber „Killer-Spielen“ geäußert: „Spiele, in denen Gewalt verherrlicht wird oder es irgendeine Form von Diskriminierung gibt, können nicht als Teil der olympischen Bewegung angesehen werden, weil sie gegen unsere Werte und Prinzipien sind“.

Auch die kommerzielle Ausrichtung des eSports sieht der LSB kritisch. Die Ligen, die Teams, aber auch die Regelwerke und Nutzungslizenzen sind nicht von einem Verband, sondern von einigen wenigen Herstellern gesteuert, die Gemeinnützigkeit der Szene sei bisher nicht zu erkennen. Tatsächlich sind bisher nur finanzstarke Fußballvereine auf den Zug aufgesprungen und haben, wie der FC Schalke 04, ein eigenes eSport-Team unter Vertrag. Auch der 1. FC Köln hat kürzlich die Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Gaming-Unternehmen SK Gaming bekannt gemacht. Zwei Pro-Gamer werden für den 1. FC Köln in Wettbewerbe starten und die trainings- und ernährungswissenschaftliche Expertise des Vereins nutzen. Im Gegenzug berät SK Gaming den 1. FC Köln zu Entwicklungen und Möglichkeiten im rasant wachsenden Markt des eSports. Zudem soll die Kooperation zur Aufklärung und Beratung für Jugendliche und ihre Eltern zum Thema Computerspielen dienen.

Nordrhein-Westfalen gilt schon länger als ein Epizentrum der deutschen eSport-Szene, trotzdem ist die Positionierung des über 5 Millionen mitgliederstarken Landesverbandes deutlich: eSport passt nicht in die Definition des Sports. In Ländern wie USA, Brasilien, China oder Frankreich ist eSport längst als Sportart anerkannt. Bleibt also mit Spannung abzuwarten, zu welchen Schlüssen der DOSB im Herbst kommt.

Hier geht es zum vollständigen Positionspapier des Landessportbunds NRW:

Positionspapier Landessportbund